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Eine Lage Weiches für „Knüller oder Falter“

In der Hand hat es schon jeder gehalten. Die einen knüllen es, die anderen falten es. Toilettenpapier, Küchentücher und Taschentücher von der SCA Hygiene Products GmbH kennt in Deutschland jeder, ist das Mannheimer Unternehmen doch der führende Anbieter für Hygieneprodukte wie Tempo und Zewa. Für seine C02-Bilanz wurde das Unternehmen im Juni von DSD ausgezeichnet.


In Sachen Nachhaltigkeit auf einer Linie: SCA-Geschäftsführer Thomas Wüst (r.) und Thomas Hüpper, DSD.

Mit dem Papierschöpfen früherer Jahrhunderte haben die Produktionsprozesse bei der SCA Hygiene Products GmbH nichts mehr zu tun. Auf modernen, vollautomatischen Maschinen werden rund um die Uhr und an 365 Tagen im Jahr Toilettenpapiere, Küchenrollen und Taschentücher produziert, sowohl als Zewa-Eigenmarke als auch für alle großen Handelsmarken. Die SCA Hygiene Products GmbH in Mannheim ist der größte Produktionsstandort der schwedischen SCA Group. Rund 2.000 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Pro Tag verlassen allein 2,5 Millionen Rollen Toilettenpapier das Werk – das würde ausreichen, um den Äquator ein Mal ganz zu umwickeln.


„Mannheim ist ein so genannter integrierter Standort", sagt Martin Grossmann, der als Factory Manager für Hygienepapiere schon viele Besucher durchs Werk geführt hat. Integriert bedeutet, dass die stoffliche Umwandlung ganz vorne startet: beim Holz. Pro Tag verarbeiten die Mannheimer rund 1.000 Tonnen des nachwachsenden Rohstoffes. Nachwachsend im wahrsten Sinne des Wortes. „Fast das gesamte Holz stammt aus der Umgebung und für unsere Produktion wird in Deutschland kein einziger Baum gefällt", betont Grossmann. SCA in Mannheim nutzt ausschließlich Durchforstungshölzer, Hackschnitzel und Reste aus Sägewerken. „Für jeden geernteten Baum in der SCA-Waldwirtschaft werden drei neue gepflanzt", sagt der Factory Manager.


Nutzung fossiler Energieträger

Pro Tag verlassen 2,5 Millionen Rollen Toilettenpapier das Werk in Mannheim.

Nachhaltigkeit wird großgeschrieben bei der multinationalen SCA Group. Dabei geht es nicht nur um das konsequente Pflanzen neuer Bäume. Im Jahr 2020 will der Konzern 20 Prozent weniger Kohlendioxid aus der Nutzung fossiler Energieträger emittieren als noch im Jahr 2005. Bereits heute stammen 85 Prozent der Energie für das Mannheimer Werk aus umweltfreundlicher Kraft-Wärme-Kopplung. Zudem hat die Firma schon vor Jahrzehnten die Bleiche des Zellstoffs von Chlor auf Sauerstoff umgestellt, wofür SCA auch den Umweltschutzpreis 1989/90 erhielt.

 

„Nachhaltigkeit hat aber auch eine soziale Seite", sagt Geschäftsführer Thomas Wüst. Das Unternehmen erhielt 2008 sogar die Auszeichnung als Top-Arbeitgeber. Als „Fair Company" hat SCA auch Regeln im Umgang mit Praktikanten und Jobbewerbern festgelegt. Mit flexiblen Arbeitszeitmodellen für Eltern und umfangreichen Weiterbildungsangeboten will der Konzern auch künftig ein attraktiver Arbeitgeber sein. Für Mannheim gilt das heute schon. Ende Juni feierte der Standort das 125-jährige Firmenjubiläum – ein Riesenfest mit 14.000 Besuchern, auch viele Manager vom schwedischen Mutterkonzern waren angereist.


Die ursprünglich bräunlichen Fasern werden gebleicht und mit Wasser vermischt. Imposante Wattemaschinen trocknen dann den dünnen Faserbrei zu weichem, luftigem Tissue, das zu drei Tonnen schweren Mutterrollen aufgewickelt wird. In der Verarbeitung schließlich werden bis zu vier Lagen bedruckt, geprägt und miteinander verleimt.

Am Ende stand die Überzeugung, dass der Standort Mannheim ein starker Standort ist. „Aber wir müssen uns ständig etwas einfallen lassen, um den Wettbewerbern voraus zu sein", erklärt Grossmann. Toilettenpapier, Küchenrollen, Taschentücher oder Inkontinenzprodukte sind nützlich, hilfreich und für jeden selbstverständlich – aber nur, wenn sie die Ansprüche der Verbraucher optimal erfüllen. „Beim Toilettenpapier unterscheiden wir zwischen Knüller und Falter", sagt Grossmann und verzieht keine Miene. Die Deutschen seien eindeutig Falter, sie nutzen das Klopapier flächig, also muss es recht reißfest und stabil sein. In englischsprachigen Ländern dagegen dominieren die Knüller, sie wünschen eher weiche und flauschige Ware. Ob Knüller oder Falter: Hochwertige Hygienepapiere brauchen die Menschen immer. Daher ist die Wirtschaftskrise an den Mannheimern bisher nahezu ohne Spuren vorübergegangen.



Für die Duales System Deutschland GmbH ist die SCA ein Kunde der ersten Stunde – und einer, der Verträge kritisch überprüft. DSD überzeugte durch rechtskonformes Arbeiten, transparenten Mengenstromnachweis und hochwertige stoffliche Verwertung. Als nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen erhielt SCA von Stefan Schreiter, Vorsitzender der DSD-Geschäftsführung, in diesem Jahr erstmals ein C02-Zertifikat. Damit unterstützt DSD das Grünhaus-Projekt des „Naturschutzbundes Deutschland" (NABU): Im Süden Brandenburgs hat der NABU mehrere Hektar eines ehemaligen Braunkohletagebaus in der Lausitz erworben - Flächen, die sich die Natur wieder zurückerobert, ohne dass der Mensch eingreift.