Der Grüne Punkt - 13. Dezember 2017

Grüner Punkt diskutiert ökologische Lenkungswirkung

Eine Kickoff-Veranstaltung in Köln thematisierte das neue Verpackungsgesetz und seine Folgen. Führende Markenhersteller und Handelsunternehmen nehmen Ökodesign in den Blick.

Grüner Punkt diskutiert ökologische Lenkungswirkung

Welche Folgen wird das neue Verpackungsgesetz (VerpackG) für das Recycling von Kunststoffverpackungen haben? Was ist technisch möglich und wo finden Sortier- und Verwertungsmaschinen ihre Grenzen? Was können Hersteller beim Verpackungsdesign tun, um das Recycling voranzubringen? Und nicht zuletzt: Wie lässt sich die Forderung des VerpackG umsetzen, nach ökologischen Kriterien gestaltete Verpackungen künftig zu fördern?

Diese und andere Fragen diskutierte ein Kickoff-Meeting führender Markenhersteller und Handelsunternehmen mit Experten beim Grünen Punkt in Köln. In den Sortieranlagen, die Abfälle aus dem Gelben Sack und der Gelben Tonne für Verwertung und Recycling vorbereiten, tut sich gerade eine Menge: Mehrere neue Anlagen sind im Bau oder geplant, in alten Anlagen wird aufgerüstet, um die anspruchsvollen neuen Recyclingquoten des VerpackG erreichen zu können.

Denn die Sortierung der gesammelten Abfälle ist die Voraussetzung für ein hochwertiges Recycling. Verpackungen gerade aus Kunststoff müssen also so gestaltet sein, dass sie für die Maschinen auch einwandfrei erkennbar sind. Mit dieser Thematik befassten sich mehrere Vorträge, ebenso mit der Frage, was sich aus Regranulaten, also aus recycelten Kunststoffen aus dem Gelben Sack, herstellen lässt.

Verpackungsdesign stellt Recycling vor Herausforderungen

Klare Botschaft der Recyclingexperten: Der technische Fortschritt macht vieles möglich, auch die Herstellung neuer Verkaufsverpackungen aus Kunststoff. Aber: Die Gestaltung vieler moderner Verpackungen setzt dem enge Grenzen. Dr.-Ing. Joachim Christiani, Geschäftsführer des Instituts cyclos-HTP, drückte es so aus: „Die Quotensteigerung im Verpackungsgesetz und die Verpackungsentwicklung verlaufen diametral.“ Kunststoffverpackungen werden immer komplexer und enthalten zunehmend Polymere, die sich mit den üblichen Standardkunststoffen im Recycling nicht vertragen.

„Wenn wir die hohen Recyclingziele des Verpackungsgesetzes erreichen und zudem bei der Qualität der Recyclingkunststoffe weiterkommen wollen, dann müssen die Hersteller mitziehen und ihre Verpackungen recyclinggerechter gestalten“, ist Dr. Markus van Halteren, Geschäftsführer beim Grünen Punkt, überzeugt. „Unsere Veranstaltung zeigt, dass auch Handel und Industrie an den Themen Recycling und recyclinggerechte Gestaltung ein hohes Interesse haben.“

Das VerpackG enthält zudem die Forderung an die dualen Systeme, die recyclinggerechte Gestaltung von Verpackungen, den Einsatz von Rezyklaten und nachwachsenden Rohstoffen bei der Verpackungsherstellung zu fördern. Dr. Sven Rutkowsky, Partner bei der Unternehmensberatung A.T. Kearney, stellte ein Modell vor, das sein Unternehmen im engen Austausch mit dem Grünen Punkt entwickelt hat und das auch im Wettbewerb der dualen Systeme funktioniert. „Das Modell lässt sich umsetzen, es verteilt die Belastungen und Gutschriften gerecht unter den Teilnehmern – und es ist derzeit der einzige Vorschlag, der auf dem Tisch liegt“, warb van Halteren für diese Idee.

Der Grüne Punkt will das Modell weiter öffentlich diskutieren und voranbringen. Einig waren sich alle Teilnehmer darin, dass das Kickoff-Meeting ein vielversprechender Auftakt für ein fruchtbares Diskussionsforum war.