Politisch geprägtes Umfeld

Kunststoff lässt sich vielfältig einsetzen, ist lange haltbar und schützt unsere Produkte optimal. Und doch hat er ein schlechtes Image, denn wir schmeißen zu viel Plastik weg. Inzwischen wird umfassend diskutiert, wo sich Kunststoff vermeiden lässt. Auch die Folgen, wenn Kunststoffabfälle unkontrolliert in die Umwelt gelangen, sind ein großes Thema. All das zwingt die Politik zum Handeln. Augenfälligstes Beispiel ist das Verbot bestimmter Einwegprodukte aus Kunststoff ab 2021 durch die sogenannte Einwegplastikrichtlinie. Sie wurde im März 2019 mit großer Mehrheit im Europäischen Parlament angenommen. Solche Entwicklungen brauchen mitunter viel Zeit, doch wenn Beschlüsse in Brüssel und Berlin gefasst werden, wirken sie sich anschließend direkt auf unseren Markt aus. Der Grüne Punkt setzt sich daher für Regelungen ein, die Umwelt, Wirtschaft und Verbrauchern nutzen – zum Beispiel für das Verpackungsgesetz (VerpackG), das wichtige Impulse für die Kreislaufwirtschaft gesetzt hat.

Zwei Welten

Im Gelben Sack und in der Gelben Tonne werden deutlich mehr Abfälle eingesammelt, als Verpackungen bei den Systemen beteiligt sind. Die Diskrepanz zwischen der erfassten Menge der Leichtverpackungen (LVP) und den beteiligten Mengen wird in dieser Zeitachse besonders deutlich.

Leuchtturmprojekt:

PACKAGING, ENVIRONMENT, FUTURE

Gut besucht war der zweite internationale Studierendenkongress Anfang November 2018 in Berlin: Diskussionen, Workshops und Vorträge widmeten sich Zukunftsfragen, Trends und Best Practice des Verpackungsdesigns. Querdenken war ausdrücklich erlaubt – nicht nur im World-Café. Angehende Verpackungstechniker, Designer und Marketing-Fachleute diskutierten intensiv mit internationalen Spezialisten und Praktikern aus Unternehmen, NGOs und Forschungsinstituten. Für 2019/2020 ist der dritte Kongress in Vorbereitung.

Anhebung der Recylingziele

Der Grüne Punkt erfüllt bei einigen Wertstoffen heute bereits mehr als die gesetzlichen Vorgaben. Die Quoten werden weiter erhöht – allerdings bedeuten selbst wenige Prozentpunkte bei bestimmten Materialien große Anpassungen in den Prozessen.

Im Kreislauf

Wie eingangs beschrieben, hat Kunststoff – insbesondere wenn er für Verpackungen genutzt wird – ein Imageproblem. Es lässt sich lösen, indem die Wertstoffe verantwortungsvoll eingesetzt werden und im Kreislauf bleiben. Im Markt der Kunststoffrezyklate wollen wir Qualität und Quantität der Produkte verbessern. Wir bringen neue Verfahren und Anwendungstechniken voran, doch das allein reicht nicht. Der Markt braucht auch bessere Rahmenbedingungen, denn er wird künftig deutlich mehr Rezyklate aufnehmen müssen als heute. Zum einen steigt die durch das Verpackungsgesetz vorgegebene Recyclingquote stark an (siehe Grafik oben). Auch die Europäische Union führt höhere Recyclingziele ein. Zum anderen stehen Kunststoffabfälle, die in der Vergangenheit exportiert wurden, durch den Importstopp asiatischer Länder nun konsequenterweise zum Recycling in Europa an. Aktuell sind gerade Kunststoffrezyklate hoher Qualität aus Post-Consumer-Sammlungen, die sich auch für Verpackungen eignen, etwa 30 Prozent teurer als Neuware. Dies ist bedingt durch den anhaltend niedrigen Ölpreis, aber auch durch die fehlende Internalisierung externer Kosten in den Kunststoff(neu)preis: Denn dass Recyclingkunststoff demgegenüber bis zu 50 Prozent Treibhausgase einspart, schlägt sich im Preis noch nicht nieder. Zudem gibt es bisher keine Standards für Mindestqualitäten von Recyclingkunststoff für Verpackungen von Kosmetika oder gar Lebensmitteln. Somit fehlen den Herstellern notwendige Sicherheiten, wenn sie diese Wertstoffe einsetzen möchten. Schließlich fordert Paragraph 45 Kreislaufwirtschaftsgesetz von den Bundesbehörden, dass sie bei der Beschaffung neuer Produkte den Einsatz von Rezyklaten prüfen (Stichwort „Green Public Procurement“) – in der Praxis hat das aber kaum eine Bedeutung. Der Grüne Punkt adressiert diese Punkte bei der Politik und in Stakeholdergesprächen und macht Vorschläge zur konkreten Umsetzung. Unser Ziel ist es, den Rezyklatemarkt voranzubringen.

Zukunftsweisendes Projekt

LIFE PEPPCYCLE könnte ein weiterer Meilenstein werden, der dazu beiträgt, den Kreislauf für Verpackungskunststoffe zu schließen: Die Europäische Union hat angekündigt, dieses zukunftsweisende Projekt des Grünen Punkts zu fördern. Geplant ist eine großtechnische Anlage zum hochwertigen Recycling von Verpackungsabfällen aus dem Gelben Sack bzw. der Gelben Tonne. Sie könnte insgesamt etwa 36.000 Tonnen hochwertige Rezyklate im Jahr herstellen. Diese bestehen vornehmlich aus Polyethylen hoher Dichte (HDPE) und Polypropylen (PP) – ideal für neue Verpackungen. Insgesamt betragen die Investitionen in die Großanlage in den nächsten fünf Jahren circa 38 Millionen Euro. Die LIFE-Förderung durch die Europäische Union umfasst 4,07 Millionen Euro an Projektkosten bis 2022. Über den Standort der neuen Anlage ist noch nicht endgültig entschieden.

Nachhaltigkeitsbericht 2017/2018

Markt

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